Zeigarnik-Effekt – So stören Cliffhanger deine Konzentration

Zeigarnik-Effekt

„You know you love me xoxo gossip girl.“ Diesen Satz würde ich zu den erfolgreichsten Cliffhangern überhaupt zählen. Die Serie Gossip Girl schafft es den Zuschauer 121 Episoden lang mit einem gigantischen Cliff hanger hinzuhalten: Wer ist gossip girl?
Cliffhanger bzw. der Zeigarnik-Effekt sorgen auch dafür, dass du dich beim Lernen nicht konzentrieren kannst, sondern sich deine To-Dos oder ein Ohrwurm in den Vordergrund drängt.

Der Cliff-Hanger-Effekt

Gossip girl ist definitiv nicht die einzige Serie, die auf Cliffhanger setzt, um die Zuschauer zum Weiterschauen zu bewegen.

Am Ende des Films öffnet der Hauptcharakter die Tür und sagt geschockt: „Was hast du denn hier zu suchen?“

Als Zuschauer fragst du sich: Wer steht vor der Tür? Warum ist sie so erschrocken? Wann kommt endlich der nächste Teil?

Kurz vor der Entscheidung bei einer Casting-Show wird immer noch eine Werbeunterbrechung zwischengeschaltet. Das nervt, die meisten bleiben aber trotzdem dran. Schließlich wollen sie jetzt auch wissen, wer denn gewonnen hat.

Das Prinzip scheint also zu funktionieren. Ich kenne zumindest niemanden, der noch nie einen Serien-Marathon gestartet hat – gewollt, oder ungewollt.

Der Cliffhanger-Effekt sorgt nicht nur dafür, dass du ab und an mehr Zeit auf Netflix verbringst, als du dir eigentlich vorgenommen hattest, sondern kann dir auch beim Lernen einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen.

Wenn du allerdings weißt, wie dieser Effekt zu Stande kommt, kannst du ihn für dich nutzen.

Die Entdeckung des Zeigarnik-Effekt

In der Wissenschaft wird der Cliffhanger-Effekt als Zeigarnik-Effekt bezeichnet. Benannt nach seiner Entseckerin Bljuma Zeigarnik.

Die russische Psychologin beobachtete in einem Café eine Kellnerin, die sich erstaunlich viele komplizierte Bestellungen merken konnte, ohne dass sie sich dabei Notizen machen musste.

Sobald die Kellnerin jedoch eine Bestellung erledigt hatte, vergaß sie diese und konnte sich nicht mal dran erinnern, ob ein Kunde nur einen Kaffee oder ein ganzes Gericht bestellt hatte.

Dieses Erlebnis nahm Zeigarnik als Anlass, um gemeinsam mit dem Psychologen Kurt Lewin eine Versuchsreihe zu starten.

Die Probanden mussten verschiedene Tätigkeiten wie Kneten, Häkeln oder Zeichnen ausführen.

Eine Gruppe hatte genügend Zeit, alle Aufgaben zu beenden. Die andere hingegen wurde mittendrin unterbrochen.

Anschließend mussten die Teilnehmer aufzählen, welchen Tätigkeiten sie nachgegangen sind.

Die Gruppe, die unterbrochen wurde, konnte sich fast 90% besser an die Aufgaben erinnern, als die Vergleichsgruppe.

Und das ganz unabhängig vom Alter oder Bildungsgrad.

Woran liegt da?

Das Phänomen hinter dem Zeigarnik-Effekt

Ganz allgemein lässt sich feststellen: Unser Gehirn reagiert auf angefangene Handlungen stärker als auf abgeschlossene. Schließlich darfst du nicht vergessen, das Angefangene auch zu Ende zu bringen.

Wenn du anfängst Gossip Girl zu schauen, willst du unbedingt Wissen, wer denn diese mysteriöse Figur ist, die hinter dem ganzen Tratsch steckt. Es baut sich Spannung auf. Du möchtest unbedingt die Auflösung wissen und schaust daher Folge für Folge.

Genau so ist es, wenn du eine Tätigkeit beginnst. Im Laufe der Ausführung baut sich eine gewisse Spannung und Druck auf.

Du möchtest ein Ziel erreichen oder endlich die Lösung für ein Problem finden. Selbst, wenn das Ziel nur etwas banales, wie das Fertigstricken eines Topflappens ist.

Das passiert meistens Unterbewusst, sodass du es gar nicht wahrnimmst.

Wenn du die Aufgabe abbrichst, bevor du erreicht hast, was du erreichen wolltest, lässt das Verlangen nach einer Lösung aber trotzdem nicht nach.

Negative Effekte des Zeigarnik-Effekts

Dadurch, dass es für deinen Kopf quasi unmöglich ist, unbeendetes loszulassen und aus dem Gedächtnis zu streichen, stehst du beim Lernen dank der ewigen Cliffhanger einigen Schwierigkeiten gegenüber.

  • Du kannst dich nicht konzentrieren, weil sich Unerledigtes ständig in den Vordergrund spielt. Du musst noch einlaufen, die Blumen gießen, mit dem Hund raus…Deine Gedanken sind wie ferngesteuert.

  • Du setzt dich selbst unter Druck, weil es noch so vieles gibt, das du tun musst. Laut deinem Gehirn müsstest du eigentlich 10 Dinge gleichzeitig tun.

  • Die Energie und Gehirnkapazität, die für all das Unerledigte verschwendet wird, fehlt dir bei dem, was du eigentlich gerade tun möchtest. Zum Beispiel beim Lernen. Und da ist es nun mal klar von Vorteil, wenn du deine gesamte Gehirnkapazität zur Verfügung steht.

  • Die Lerneinheiten, die du schon abgeschlossen hast, werden von deinem Gehirn als weniger spannend abgestempelt und du vergisst sie daher schneller wieder.

Insgesamt sorgen all diese Faktoren für eine großen emotionalen Druck.

So umgehst den Zeigarnik-Effekt

Es gibt ein paar kleine Tricks, mit denen du deine Gedanken besser unter Kontrolle bekommen und somit Stress reduzieren kannst.

1. Schreibe dir To-Do Listen.

Wenn dir beim Lernen etwas in den Sinn kommt, dass du noch erledigen musst: Einfach schnell aufschreiben. Am besten nicht auf deine Lernunterlagen, sondern auf einen extra Zettel.

Nun hat dein Gehirn nicht mehr so sehr das Bedürfnis, dich ständig an alles mögliche noch Offenstehende zu erinnern. Das übernimmt schließlich schon die Liste.

2. Triff Entscheidungen

Durch das Treffen einer Entscheidung, hakst du einen Gedankenprozess ab. Zudem ist es wissenschaftlich sogar nachgewiesen, das schneller Entscheidungen glücklicher machen.

Dadurch gehst du lösungsorientierter durch’s Leben. Sorgen oder Ängste haben es schwerer, in dein Gedächtnis vorzudrängen.

3. Lass nichts angefangen

Direkt vorm Lernen oder einer Vorlesung eine wichtige E-Mail zur Hälfte schreiben oder einen Song nicht ganz zu Ende zu hören ist keine gute Idee. Denn wenn du mal drüber nachdenkst, entstehen Ohrewürmer meist von Lieder, die du nicht ganz gehört hast.

Ein Lied, läuft im Radio, aber du kommst gerade am Ziel an und musst den Motor und auch das Radio deines Autos abschalten. Die perfekten Vorraussetzungen dafür, dass du das Lied den gesamten restlichen Tag leise vor dich her singen wirst.

4. Schreibe deine Gedanken auf

Es sind schließlich nicht immer nur zu erledigende Aufgaben, die dir Kopf herumschwirren.
Alles aufzuschreiben, was dich beschäftigt, entlastet dich emotional. Das geht beispielsweise in Form eines Tagebuchs.

So nutzt du Cliffhanger zu deinem Vorteil

Du kannst dir den Zeigarnik- Effekt auch zu Nutze machen, indem du Dinge bewusst unerledigt lässt.

Wenn du beispielsweise direkt vor dem Einschlafen die erste Hälfte und erst am nächsten Morgen die zweite Hälfte eines Themas lernst, verarbeitet dein Gehirn die Informationen im Schlaf.

Im Schlaf begibt du dich ganz unterbewusst auf die Suche nach der Lösung bzw. dem zweiten Teil.

Allerdings funktioniert das nicht bei jedem.

Es kann nämlich auch passieren, dass du dir weiter den Kopf über den Lernstoff zerbrichst und somit gar nicht erst einschlafen kannst.

In dem Fall ist diese Technik natürlich eher kontraproduktiv, denn ausreichend Schlaf trägt einen wichtigen Teil zu deiner Denk- und Merkfähigkeit bei.

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