Weltschmerz – Was ist das? Was kann ich dagegen tun?

Weltschmerz- Was ist das und was kann ich dagegen tun?

Wie fühlst du dich momentan mit der weltweiten Situation? Hast du das Gefühl, irgendwie ist alles schlecht, es passieren immer nur neue schreckliche Dinge? Klimakrise, Rechtspopulismus, Corona und jetzt auch noch ein Krieg in Europa?!.
Zeitungen, Fernsehen und Social Media sind voll von schlechten Nachrichten.
Dabei entsteht ein bedrückendes Gefühl. Ein Gefühl der Ohnmacht und Aussichtslosigkeit, des Pessimismus und der Resignation: Weltschmerz.

Was ist Weltschmerz?

Geprägt wurde der Begriff des Weltschmerzes durch den deutschen Schriftsteller Jean Paul, der diesen Begriff allerdings noch etwas anders definierte. Für ihn war Weltschmerz eine Art von Genuss am Leid, dessen sich vor allem KünstlerInnen als Quelle ihrer Kunstwerke bedienten.

Mittlerweile wird Weltschmerz durch den Duden folgendermaßen definiert:

"die seelische Grundstimmung prägender Schmerz, Traurigkeit, Leiden an der Welt und ihrer Unzulänglichkeit im Hinblick auf eigene Wünsche, Erwartungen"

Geprägt ist diese „seelische Grundstimmung“ durch

  • Pessimismus,
  • das Gefühl der Machtlosigkeit,
  • Resignation und
  • Realitätsflucht.

Wie bei physischen Schmerzen auch ist das Schmerzempfinden subjektiv und abhängig von individuellen Faktoren.

Somit haben einige regelmäßig mit Weltschmerz zu kämpfen, während andere dieses Gefühl gar nicht kennen

Zudem schwankt die stärke des Schmerzes, je nachdem, wie wichtig dir ein bestimmtes Thema ist oder wie wie präsent dir die Gefahren sind.
Jemand, der sich nicht mit Klimapolitik und den Folgen des Klimawandels auseinandersetzt, wird bei diesem Thema keinen Weltschmerz verspüren, während jemand, der sich täglich mit den Folgen der jetzigen Klimapolitik auseinandersetzt, stark betroffen sein wird.

Wie entsteht Weltschmerz?

Weltschmerz entsteht dann, wenn das Weltgeschehen nicht den eigenen Erwartungen, Wertvorstellungen und Wünschen entspricht.

Die meisten möchten in Frieden und Sicherheit leben. Ein Krieg widerspricht diesem Wunsch, löst also Weltschmerz aus.

Weltschmerz wird häufig als ‚First World Problem‘ angesehen. Da ist bestimmt auch etwas Wahres dran, denn nur wenn ich mich nicht um mein eigenes Überleben sorgen muss, habe ich Kapazitäten, mich um die Geschehnisse der Welt zu sorgen.

Das heißt aber nicht, dass dieses ‚First World Problem‘ nicht berechtigt und nicht ernstzunehmen ist. Weltschmerz selbst ist kein Begriff der Psychologie, ist aber durch eine biologische Stressreaktion gekennzeichnet und kann somit langfristig zu Depressionen führen.

Weltschmerz wird außerdem verstärkt bzw. tritt wahrscheinlicher auf, durch…

  • starken Nachrichtenkonsum,
  • fehlende Distanz zu den Geschehnissen und
  • persönliche Vorbelastung wie nicht verarbeitete Trauer oder Traumata.

Was tun gegen Weltschmerz?

Mitgefühl dir selbst gegenüber

Dass du Mitgefühl besitzt, zeigt schon der Fakt, dass du überhaupt Weltschmerz verspürst. Du fühlst mit den Menschen in Krisengebieten mit. Das ist Grundsätzlich eine bemerkenswerte und schöne Eigenschaft, denn sie zeigt, dass du ein hohes Maß an Empathie besitzt.

Diese Empathie hast du aber auch selbst verdienst. Zeige dir selbst gegenüber Mitgefühl. Verurteile nicht deine Trauer und Ohnmacht, sondern akzeptiere diese Gefühle und erlaube dir, so zu fühlen.

Um mit deinen Gefühlen umzugehen und dein Mitgefühl dir gegenüber zu stärken, können verschiedenen Übungen helfen:

  • Schreibe deine Gefühle in einem Tagebuch auf.
  • Baue kurze Meditationen in deinen Alltag ein, zum Beispiel vorm Schlafengehen, um deine Gedanken zu beruhigen.
  • Sprich mit anderen über deine Gefühle.

Achtsam konsumieren

Durch die Globalisierung und Digitalisierung haben wir praktisch immer und überall zugriff zu den aktuellsten Nachrichten und bekommen alle Ereignisse des Weltgeschehens, Krisen und Katastrophen direkt mit. Nie zuvor war es so einfach, an Informationen zu gelangen.

Das ist natürlich auf der einen Seite ein riesiger Gewinn, sorgt aber auch dafür, dass die Verantwortung für deinen Konsum bei dir liegt.

Du entscheidest wann, wie oft und welche Nachrichten du konsumieren möchtest.

Einfach gar keine Nachrichten mehr zu konsumieren, ist für die meisten keine Option. Schließlich ist es wichtig, über das aktuelle Weltgeschehen informiert zu sein, wenn du dir eine Meinung bilden oder ggf. etwas dagegen unternehmen möchtest.

Daher heißt das Stichwort hierbei Achtsamkeit. Achtsam und bewusst konsumieren, um eine gewisse Distanz zu den Geschehnissen zu bewahren.

Direkt nach dem Aufstehen aufs Handy schauen und mit den neusten Klimabilanzen und Kriegsgeschehnissen konfrontiert zu werden und auch abends als letztes einen Blick in die News App zu werfen, ist vielleicht einfach zu viel.

Reicht es vielleicht, einmal am Tag die Nachrichten zu schauen? Musst du dich selbst mit den Themen konfrontieren oder reichen dir vielleicht auch die Informationen, die du über andere mitbekommst?

Und nein, es hat nichts mit Ignoranz zu tun, sich nicht jede Minute mit dem Elend auf der Welt auseinanderzusetzen.

Niemand hat etwas davon, wenn es dir schlecht geht, wenn du dich mit dem aktuellen Weltgeschehen konfrontierst.
Informiert sein ist gut und wichtig, aber es ist auch wichtig, dabei immer das eigene Wohlbefinden im Blick zu behalten.

Das Schöne in der Welt sehen

Neben der Art, wie du Nachrichten konsumierst, kannst du auch beeinflussen, welche Nachrichten du konsumierst.

Natürlich hast du keinen Einfluss darauf, was in der Welt geschieht. Aber in der Medienwelt gilt „only bad news are good news“, denn schlechte Nachrichten verkaufen sich einfach besser. Das bedeutet, dass unsere Wahrnehmung relativ eingeschränkt ist. Wir sehen schließlich nur das, worüber auch berichtet wird.

Gute Nachrichten sind häufig einfach langweiliger als schlechte, daher finden sie weniger bis gar keinen Platz in den Nachrichten.

Um deinem Weltschmerz etwas entgegenzusetzen, kann es also helfen, dich auf die guten Dinge in der Welt zu konzentrieren.

Hierbei kann die Website Nur positive Nachrichten helfen, auf der – wie der Name schon verrät – nur über positive Nachrichten berichtet wird.

Dankbarkeit

Wenn du schon dabei bist, dir über die positiven und schönen Dinge auf der Welt bewusst zu werden, kannst du dich direkt ein wenig in Dankbarkeit üben.

Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass viele den positiven Effekt von Dankbarkeit unterschätzen, obwohl Dankbarkeit nachweislich glücklicher macht.

Auch hierbei geht es darum, den Fokus zu verschieben. Fokussiere dich nicht nur auf da, was schlecht ist in der Welt, sondern sei dankbar für die Dinge. die richtig gut sind.

Für Schuldgefühle, dass es dir besser geht als anderen, du dich über scheinbar banale Dinge ärgerst, während anderswo Menschen um ihr Leben bangen, ist hierbei kein Platz.

Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein, denn wie schon gesagt, bringt es niemandem etwas, wenn es dir schlecht geht.

Werde aktiv

Weltschmerz ist häufig gekennzeichnet durch ein Gefühl der Ohnmacht und Machtlosigkeit.

Du kannst zwar nicht alle Krisen alleine lösen, aber es gibt dich so einiges, was du in deiner Umgebung tun kannst.

Wenn du willst, das sich etwas ändert, dann werde aktiv und fang an, etwas zu ändern.

Das kann vieles sein, zum Beispiel:

  • Geld an gemeinnützige Organisationen spenden
  • an Demonstrationen teilnehmen
  • in einer Notunterkünfte helfen
  • Kleidung, Hygieneartikel, Spielzeug, etc. spenden
  • Briefe an Regierungsmitglieder schreiben
  • andere auf die Problematik aufmerksam machen und zum handeln motivieren

Orientiere dich dabei an dem, was für dich machbar ist.

Akzeptanz

Auch wenn du theoretisch vieles tun kannst und auch am liebsten allen helfen würdest, und die Welt zu einem perfekten Ort machen: Es gibt Grenzen in deinem Handeln, die du nicht überwinden, sondern nur akzeptieren kannst.

Selbst wenn du wolltest, kannst du nicht jedes Problem lösen. Versuche nicht, dich in 10 Vereinen gleichzeitig zu engagieren und nebenbei noch hier und da auszuhelfen. Das führt letztendlich nur dazu, dass du dich völlig verausgabst und damit ist dann auch wieder keinem geholfen.

Entschiede dich für ein oder zwei Projekte, die dir am Herzen liegen und hilf dann dort, so gut du kannst.

Darüberhinaus bleibt nichts anderes übrig als zu akzeptieren, dass du alles tust, was du tun kannst. Vieles liegt leider doch außerhalb deines Einflussbereichs.

Wenn du alleine nicht mehr weiter kommst, suche dir Hilfe. Das geht nicht nur bei FreundInnen und Familie, sondern auch bei PsychologInnen und Freiwilligen der Deutschen Telefonseelsorge unter der Nummer 0800 / 111 0 111.

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