Warum du dich nicht von Gefühlen leiten lassen solltest

von Gefühlen leiten lassen

Hör auf dein Gefühl! Folge deinem Herzen! Dein Herz zeigt dir den richtigen Weg! Zahlreiche Postkarten, Motivationssprüche und Lebensratgeber enthalten solche oder zumindest so ähnliche Sprüche.
Eins haben sie alle gemeinsam: Sie raten dir, dich von deinen Gefühlen leiten zu lassen.
Aber warum? Denn ist es wirklich eine gute Idee, auf so etwas Sensibles und Fragiles wie Gefühle zu hören?

Das Problem mit deinen Gefühlen

Wie fühlst du dich gerade?
So ganz allgemein.
Welche Emotionen treiben sich in dir herum?
Sind es positive? Oder negative?

Oder hast du gar keine Ahnung?

Damit bist du nicht allein, denn Emotionen zu beschreiben fällt unfassbar schwer.

Nicht ohne Grund kommt es in zwischenmenschlichen Beziehungen regelmäßig zu Streitereien, bei denen Gefühle verletzt werden.

Wäre es so einfach, Gefühle zu beschreiben, könnte man diese schließlich einfach aussprechen und eine Lösung suchen.

Häufig ist aber gar nicht klar, warum du dich eigentlich so fühlst, wie du dich fühlst.

Und wenn du es selbst nicht weißt, wie soll es dann jemand anderem gelingen, auf deine Gefühle Rücksicht zu nehmen und diese nicht zu verletzen?

Warum du nicht deinem Herzen folgen solltest

Folge deinem Herzen bedeutet: Folge deinen Emotionen.

Wie bereits festgestellt, sind Emotionen schwer zu beschreiben und auch nicht immer richtig.

In manchen Situationen neigst du beispielsweise dazu überzureagieren oder erkennst eine Gefahrensituation gefühlsmäßig nicht als so eine an.

Du solltest deine Gefühle also lieber nicht als Kompass verwenden, denn

  • Emotionen sind häufig unerklärlich und
  • deine Gefühlslage schwankt ständig. Was im einen Moment richtig erscheint, fühlt sich im nächsten falsch an.
  • Du kannst deinen Gefühlen nicht vertrauen.

Verstehe das bitte nicht falsch. Sich komplett von seinen Gefühlen zu lösen ist nicht gut. Es macht dich gefühlskalt und trennt dich auf eine gewisse Weise von deinem Leben. Denn Emotionen sind schließlich irgendwie das, was das Leben ausmacht, oder?

Was ich dir vermitteln möchte, ist, dass du dich nicht von deinen Gefühlen leiten lassen solltest. Vor allem, wenn es um schwerwiegendere Entscheidungen geht.

Bei der Wahl zwischen Schokoladeneis und Erdbeersorbet hast du schlimmstenfalls nicht die erwartete Zufriedenheit, nachdem du das Eis probiert hast. Du hättest eben doch lieber das andere nehmen sollen…

Aber es gibt eben auch Entscheidungen, bei dem deine Gefühle ein riesiges Chaos verursachen können.

Die Wahl, welchen Studiengang du belegst, für welches Stellenangebot du dich entscheidest oder welchen Versicherungsvertrag du unterschreibst, ist durchaus schwerwiegender.

Es sollte sich gut anfühlen. Klar. Aber nicht nur in einem Moment und genau das ist eben das Risiko, wenn du dich zu sehr auf deine Emotionen fokussierst und dich von deinen Gefühlen leiten lässt.

Nicht von Gefühlen leiten lassen, sondern…

Sondern was? Wie verhindere ich, dass meine Gefühle die Oberhand übernehmen und für mich Entscheidungen fällen?

1. Orientiere dich an den Fakten deiner Vergangenheit

Als ich kleiner war, habe ich einmal den Film „Ratatouille“ gesehen. Ein lustiger Disney-Film, in dem eine Ratte einem untalentierten Lehrling unbemerkt beim Kochen hilft.

Der Film war für mich unfassbar gruselig. Und dieser Glaube, dass es sich bei „Ratatouille“ um einen gruseligen Film handelt, habe ich jahrelang durch mein Leben getragen.

Erst Jahre später habe ich es gewagt, mir den Film ein zweites Mal anzuschauen.

Es stellte sich heraus: Es ist ein total harmloser Disney-Film und alles andere als gruselig.

Das Beispiel zeigt. Es lohnt sich, sich an Fakten der Vergangenheit zu orientieren und nicht daran, was deine Gefühlswelt daraus gemacht hat.

Denn das ist lediglich eine Interpretation, die dazu neigt, immer falscher zu werden, je weiter die Erinnerung in die Vergangenheit rückt.

2. Rede mit anderen über Gefühle

Meistens fällt es viel leichter zu erkennen, wenn sich andere von Gefühlen leiten lassen, als wenn du es selbst tust.

Während wir uns mit unseren eigenen Gefühlen schwer tun, besitzen wir die Fähigkeit, Gefühle anderer objektiv zu betrachten und auch zu beurteilen.

Frag also deine Freunde und unterhalte dich mit ihnen über deine und ihre Gefühle. Sie sind häufig eher in der Lage, deine Gefühle richtig zu deuten und einzuschätzen.

Somit ist es im Gespräch viel leichter, sich über seine eigenen Emotionen klar zu werden.

3. Such dir auch mal Gegenstimmen

Der Grund, warum es so leicht fällt, sich von Gefühlen leiten zu lassen, ist, dass dir niemand widerspricht.

Du würdest niemals auf die Idee kommen, deinen eigenen Gefühlen zu widersprechen, und es fühlt sich einfach gut an, recht zu haben.

Suche dir also jemanden, der dich ehrlich darauf hinweist, wenn du es nur nicht schaffst, deinen Gefühlen zu widersprechen.

Übe dich in Gelassenheit

Gelassenheit, Gleichmut oder auch die philosophischen Begriffe Apathie und Ataraxie bedeuten im Grunde alle das Gleiche: Sich selbst und seine Gefühle nicht zu ernst nehmen.

Das Prinzip der Gleichmut lässt sich sehr gut durch Meditation erlernen, da es an eine Art dauerhafte Meditation erinnert.

Es geht nicht darum, deine Gefühle zwanghaft loszuwerden oder anzuschalten, sondern sie einfach weniger ernst zu nehmen und dich nicht von ihnen leiten zu lassen.

Stelle dir vor, deine Gefühle sind viel mehr wie Autos auf einer Straße, an der du stehst.

Sie fahren nur an dir vorbei, kommen und gehen. Sie sind zwar irgendwie präsent und in dem Moment Teil deines Lebens, aber stellen keinen Grund dar, deine Handlungen nach ihnen auszurichten.

Du beobachtest sie lediglich mit etwas Abstand.

Wenn du es schaffst, etwas Gleichmut in dein Leben zu integrieren, wirst du merken, dass dich schwierige Situationen weniger schnell aus der Fassung bringen und du rationaler und langfristiger Entscheidungen treffen kannst.

Entscheidest du meistens eher rational oder aus dem Bauch heraus?
Teile den Artikel gerne mit jemandem. 🙂

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