Lernen wie von selbst – So kommst du in den „Flow“

Ein Zustand völligen Glücks. Du bist mit deiner gesamten Aufmerksamkeit bei einer Sache. Die Zeit fliegt, ohne dass du es richtig mitbekommst.
Willkommen im „Flow“!

So ein Flow entsteht dann, wenn du eine Aufgabe als herausfordernd wahrnimmst, sie aber trotzdem machbar ist. Das fühlt sich nicht nur gut an, sondern ist auch der Zustand, in dem du am produktivsten bist.

Um das Ganze nicht zu märchenhaft klingen zu lassen, muss dazu noch gesagt sein, dass es sich hierbei eher um einen Ausnahmezustand handelt.

Trotzdem denke ich, dass du schon einmal in so einem Zustand warst und weißt, wovon ich rede. Vielleicht nicht in naher Vergangenheit, aber zumindest als Kleinkind: Gerade erst ist man beim besten Freund angekommen, schon ist Mama da, um einen wieder abzuholen.

Kinder schaffen es, sich Aufgaben zu suchen, die in so einen Flow-Zustand versetzen.

Ein Flow-Zustand ist aber kein Previleg nur für Kinder. Er kann in jedem Alter und theoretisch bei jeder Tätigkeit erreicht werden, also sowohl in der Freizeit, als auch beim Lernen und Arbeiten.

Was bedeutet Flow?

Der Begriff des „Flow“ wurde erstmals von dem Psychologen Mihaly Csikszentmihalyi geprägt.

Es ging ihm in erster Line darum, herauszufinden, was einen Menschen im alltäglichen Leben glücklich macht.

Er beobachtete unter anderem bei Chirurgen und Leistungssportlern einen außergewöhnlichen Zustand:
Sie gingen förmlich in ihrer Arbeit auf, trennten sich dabei scheinbar von ihrer Umgebung ab, mit voller Konzentration auf ihrer Tätigkeit.

Spieltheoretiker wie Hans Scheuerl kannten dieses Phänomen bereits, denn Entwickler von Computerspielen versuchen gezielt, einen Flow bei den Spielenden hervorzurufen.

Schließlich verändert ein Flow das Zeitgefühl, lässt Sorgen verschwinden und macht glücklich.
Alles Aspekte, die dazu verleiten, weiterzuspielen.

Hans Scheuerl bezeichnete es auch als

„Verweilen in einem Zustand des glücklichen Unendlichkeitsgefühls“

Welche Merkmale kennzeichnen einen Flow?

Ein Flow wird nur erreicht, wenn die Schwierigkeit einer Aufgabe so hoch ist, dass du dich anstrengen musst, aber immer noch so niedrig, dass deine Fähigkeiten ausreichen, sie zu bewältigen.

Ein Flow beschreibt den Zustand zwischen Unter- und Überforderung.

Cskszentmihalyi konnte 7 Merkmale feststellen, die einen Flow-Zustand kennzeichnen:

  1. Du bist mit deiner gesamten Konzentration bei dem, was du tust.
  2. Es stellt sich ein Gefühl von Ekstase ein – ein Glücksgefühl, das einem Rausch ähnelt.
  3. Du hast ein klares Ziel vor Augen.
  4. Die Aufgabe ist machbar.
  5. Sorgen und Selbstzweifel weichen einem Gefühl der Ruhe.
  6. Dein Zeitgefühl verschwindet. Stunden vergehen wie Minuten.
  7. Intrinsiche Motivation dient als Antrieb.

Wie komme ich in einen Flow?

So ein Zustand klingt traumhaft, oder?

Wenn du es schaffst, beim Lernen so einen Zustand zu erreichen, wird es dir nicht nur leichter fallen dich zu konzentrieren, sondern du wirst auch Spaß am Lernen finden.

Das Problem dabei ist allerdings, dass ein Flow sich nicht auf Knopfdruck einstellen lässt. Wäre auch zu schön.

Es gibt allerdings ein paar Rahmenbedingungen, um die du dich bemühen kannst, um deine Chancen für einen Flow zu erhöhen.

Kenne deine Fähigkeiten

Ein Flow ist das perfekte Gleichgewicht zwischen Langeweile und Überforderung.

Also gilt es als erstes, deine Aufgaben so zu gestalten, dass sie deinen Fähigkeiten entsprechen.

Wen du dir in wenigen Tagen Wissen über ein Thema aneignen sollst, von dem du noch nie gehört hast, ist das auf jeden Fall eine Herausforderung.
Eine viel größere Herausforderung wäre es allerdings, wenn du nur einige Stunden Zeit hättest, oder noch nicht einmal lesen könntest.

Wenn du weißt, welche Fähigkeiten und Stärken du hast, und wo deine persönlichen Schwachpunkte liegen, kannst du deine Aufgaben so modifizieren, dass sie zwar fordern, aber nicht überfordern.

Um eine Aufgabe einfacher zu machen, kannst du

  • den Umfang verringern, indem du die Aufgabe/ das Thema in kleinere Abschnitte einteilst
  • dir mehr Zeit nehmen
  • eine Methode wählen, die du gut kannst.

Um Langeweile zu verhindern und dich ein wenig mehr herauszufordern, kannst du

  • dir ein Zeitlimit setzen (lese z.B. einen Text besonders schnell)
  • Übungsaufgaben integrieren
  • eine neue Lernmethode ausprobieren.

Setze dir konkrete Ziele

Du hast jetzt 3 Stunden Zeit zum Lernen. Was willst du nach diesen drei Stunden genau erreicht haben?

Ein konkretes Ziel hilft dabei, dich auf das zu konzentrieren, was du zu tun hast.

Wenn du dich ständig neu orientieren und überlegen musst, was deine Aufgabe ist, unterbricht das deine Konzentration und lenkt ab.

Mache dir also, bevor du anfängst, erst einmal klar, was du schaffen möchtest, indem du dir eine To-Do Liste oder einen konkreten Zeitplan erstellst.

Zusätzlich kannst du die Aufgaben auf deiner Liste priorisieren. Das wichtigste ganz an den Anfang, damit das auch wirklich erledigt wird.

Hol dir eine Rückmeldung

Erfolg motiviert!

Das solltest du ausnutzen, indem du so viele Erfolgserlebnisse wie möglich in deinen Lernprozess integrierst.

Je unmittelbarer das Feedback, oder die Bestätigung, desto besser. Ob du dich selber belohnst oder diese Aufgabe jemand anderem überlässt, ist für den Soforteffekt egal. Langfristig ist es sinnvoller, wenn du dich selber belohnen kannst.

Das kannst du, indem du

  • deine To-Do-Liste abhakst
  • Übungsaufgaben direkt im Anschluss korrigierst
  • dich mit Karteikarten selber abfragst
  • deinen Fortschritt reflektierst.

Wichtig ist, dass dein Fortschritt und dein Erfolg sichtbar und somit spürbar sind.

Vermeide jegliche Ablenkung

Was die meisten davon abhält, einen Flow-Zustand zu erreichen, ist Ablenkung.

Davon gibt es leider sehr viel und sie muss gänzlich eliminiert werden.

Größtenteils sind es äußere Ablenkungen, die dich behindern.

Ständig ploppt eine neue Nachricht auf deinem Bildschirm auf.
Soziale Medien sind Profis darin, sicher zu stellen, dass du direkt mitbekommst, wenn irgendwer irgendwo eine Nachricht oder einen neuen Post verfasst hat. Das willst du gerade aber alles gar nicht wissen.

Schalte dein Handy daher auf Flugmodus oder mache es ganz aus.
Am besten packst du es auch in einen anderen Raum oder in deinen Rucksack.

Wenn du am Computer arbeitest, achte auch darauf, dass sich auch dort nicht ständig neue Emails ankündigen.

So wie du dein Handy außer Sichtweite gebracht hast, musst du nun auch noch den Rest deines Umfeldes, also primär deinen Schreibtisch aufräumen.

Unbezahlte Rechnungen, Zeitschriften und Einkaufszettel lenken ab. Also weg damit: Aus den Augen, aus dem Sinn.
Alles was du zum Lernen brauchst, darf natürlich auf dem Schreibtisch bleiben!
Denn alle Materialien müssen griffbereit sein, damit du zwischenzeitig nicht danach suchen musst.

Auch Mitmenschen können ablenken. Du hast nicht viel gewonnen, wenn dein Handy zwar ruhig bleibt, dafür aber ständig jemand reinkommt, der dich vollquatscht.

Sage deinen MitbewohnerInnen Bescheid, dass du deine Ruhe haben willst. (Am besten formulierst du das noch ein bisschen netter).
Um auf Nummer sicher zu gehen, kannst du als Erinnerung auch ein Schild an deine Zimmertür hängen.

Wenn du in der Bibliothek oder einem anderen Ort mit vielen Menschen um dich herum arbeitest, sind noise-cancelling Kopfhörer eine sinnvolle Anschaffung.

Alles um dich herum ist aufgeräumt und still. So soll es sein. Aber trotzdem kannst du dich nicht konzentrieren, denn da ist eigentlich noch dieser Zahnarzttermin, der verschoben werden muss und nachher darfst du bloß nicht vergessen, noch die Sachen fürs Abendbrot einzukaufen.

Mit so einem Gedankenchaos kommst du niemals in den Flow.

Als letztes Hilfsmittel brauchst du also noch einen leeren Zettel. Wenn dir etwas einfällt, was du auf gar keinen Fall vergessen darfst oder unbedingt noch erledigen musst: Aufschreiben und mit der Konzentration wieder zurück zu deiner Aufgabe. Der Zahnarzt kann warten.

Finde deine Motivation

Ein Ziel vor Augen zu haben, reicht nicht. Du musst auch Gründe dafür haben, dieses Ziel erreichen zu wollen.

Wichtig ist, dass du hierbei deine intrinsische Motivation findest. Äußerliche Faktoren wie Anerkennung oder Geld reichen nicht aus.

Suche also nach deinem persönlichen ‚Warum?‘.

  • Warum lernst du das alles?
  • Was willst du erreichen?
  • Inwiefern bringt es dich weiter?

Videoempfehlung

Wenn du noch mehr über den Flow erfahren möchtest, kannst du dir das folgende Video anschauen, in dem Mihaly Csikszentmihalyi selbst den Flow-Zustand erklärt.

Bei welchen Tätigkeiten bist du im Flow?
Teile diesen Beitrag gerne! 🙂

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