Peak-End Regel – Mehr Zufriedenheit und Motivation

Die Semesterferien sind nicht mehr weit entfernt, also denk doch mal zurück an deinen letzten Urlaub. War er gut oder schlecht? Lohnt es sich, so einen Urlaub in diesen Ferien zu wiederholen?
Woran erinnerst du dich genau?
Du erinnerst dich vor allem an die Hoch- bzw. Tiefpunkte und das Ende, stimmt’s? Das besagt zumindest die Peak-End-Regel.

Dadurch, dass langfristig nur die herausragenden Ereignisse (im positiven und negativen Sinne) und das Ende im Gedächtnis bleiben, werden deine Erinnerungen unbewusst geprägt.

Hintergrund der Peak-End Regel

Die Psychologin Barbara Frederickson und der Psychologe Daniel Kahnemann führten ein Experiment durch, mit dem sie die Peak-End-Regel beweisen konnten.

Die Probanden sollten zweimal hintereinander ihre Hände in kaltes Wasser legen.
Beim ersten Mal für 60 Sekunden in 14°C kaltes Wasser, beim zweiten Mal wieder für 60 Sekunden in 14°C kaltes Wasser, aber im Anschluss zusätzlich für 30 Sekunden in 15°C kaltes Wasser.

(Es wirkt beim Lesen nicht so, aber ein Grad macht für das Wärme-/Kälteepfinden anscheinend einen deutlich wahrnehmbaren Unterschied.)

Am Anschluss an diese Versuchsdurchführung wurden die Probanden gefragt, welchen der beiden Durchläufe sie angenehmer fanden, bzw. welchen sie eher wiederholen würden.

Rational betrachtet würde man meinen, die meisten entschieden sich dafür, den ersten Durchlauf zu wiederholen. Schließlich war dieser kürzer und somit insgesamt weniger unangenehm.

ABER: 90% der Teilnehmer wollten lieber den zweiten Durchgang noch einmal wiederholen.

Aus dem Versuch lässt sich also ganz klar ableiten: Erinnern ist NICHT rational, sondern extrem emotional.

Was besagt die Peak-End-Regel?

Die Peak-End-Regel besagt, dass du Erlebnisse im Nachhinein anders bewertest als in dem Moment, in dem du sie tatsächlich erlebst.

Die Länge oder das Gesamterlebnis, in dem Fall das Gesamtunbehagen, spielen im Nachhinein gar keine Rolle mehr, sondern lediglich der schlimmste/tollste Augenblick und das Ende.

… und ein Ende mit 15°C kaltem Wasser ist nun mal angenehmer, als ein Ende mit 14°C.

Im Prinzip bestehst du also aus einem erlebenden und einem erinnernden Ich. Das Problem dabei: Wenn es um Bewertungen von bestimmten Ereignissen geht, werden dir die beiden unterschiedliche Antworten geben.

Wenn du am 14. Tag, dem allerletzten, ein schlechtes Erlebnis hattest, wird dir dein erinnerndes Selbst einreden, es sei ein blöder Urlaub gewesen, obwohl das erlebende Selbst 13 wundervolle Tage hatte.

Wie dein erinnerndes Ich für Zufriedenheit sorgen kann

Wenn du mal darüber nachdenkst, findest du die Peak-End-Rule auch in deinem Alltag wieder, beispielsweise im E-commerce.

Von vielen Shops erhältst du nach deinem Einkauf eine „personalisierte“ Nachricht.

Das machen die Shopbesitzer nicht nur aus Menschenliebe, sondern weil dir der Einkauf dadurch positiver in Erinnerung bleibt, als wenn das letzte, woran du dich erinnerst, die Summe ist, die gerade von deinem Konto abgebucht wurde.

Somit bist du viel eher dazu bereit, in Zukunft nochmal etwas auf der gleichen Website zu bestellen.

Diesen Mechanismus kannst du auch ganz gezielt in deinem Alltag anwenden, um allgemein glücklicher zu werden.

Das klappt schon mit ganz einfachen Methoden, zum Beispiel:

  • Schreibe am Ende des Tages alles auf, was schön war. Dadurch übst du dich nicht nur in Dankbarkeit, sondern sorgst auch für einen positiven Tagesabschluss.
  • Gehe nicht im Streit auseinander. Versuche am Ende von Diskussionen und Auseinandersetzungen immer ein positives Ende zu finden
  • Werde dir deiner zwei Selbst bewusst, um emotional aufgeladene Erinnerungen oder momentane Situationen zu relativieren.

Warum die Peak-End-Regel beim Lernen wichtig ist

Wenn du erst einmal verstanden hast, dass deine Erinnerungen sehr emotional aufgeladen sind und gefühlstechnisch nicht wirklich die Realität widerspiegeln, kannst du sie auch bewusst manipulieren, um dich langfristig zum Lernen (oder auch zu allen möglichen anderen Dingen) zu motivieren.

Halte dich dafür an folgende Aspekte:

  1. Deine höchste Lernbelastung sollte nicht so stark von der Gesamtbelastung abweichen. Lieber also über einen längeren Zeitraum immer ein bisschen lernen als kurz vor der Klausur alles. Und versuche auch in einer einzelnen Lernsession, dich immer möglichst gleichmäßig zu fordern.
  2. Erledige die Aufgaben, die du am wenigsten magst, gleich zu Anfang des Tages oder deiner Lernsession. „Eat the frog first“. Wenn du dann auch noch mit etwas positivem (vllt. einer etwas spielerischen Einheit) das Lernen beendest, wirst du am Ende des Tages gar keine Erinnerungen mehr an den negativen Anfang haben.
  3. Baue kurze Hochs in Form von spielerischen Einheiten, Lernvideos, Austausch mit Kommilitonen ein. Diese werden dir langfristiger in Erinnerung bleiben.

Übrigens: Die Peak-End-Regel ist auf alle Menschen übertragbar, also auch auf Professoren, Dozenten und Prüfer. Versuche also, am Ende eines Vortrags oder einer mündlichen Prüfung zu überraschen, sehr selbstbewusst aufzutreten, oder besonders sicher dein Wissen zu präsentieren.
So bleiben du und deine Leistung positiv in Erinnerung.

Video: Daniel Kahnemann

Zum Schluss kannst du dir noch anschauen, wie Daniel Kahnemann selbst die Peak-End-Regel erklärt.

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