Muskeln lernen – auch wenn es absolut unmöglich erscheint

Muskeln lernen - Die richtige Struktur, Lernmethoden und Materialien für den Bewegungsapparat

Die Anatomie des Menschen lernen: Eine Herausforderung für sich. In diesem Beitrag soll es erstmal nur um die Anatomie des Bewegungsapparat und noch genauer, um das Muskeln lernen gehen.
Wobei man die nicht so ganz isoliert lernen kann – aber dazu später mehr.

Wenn du nach Tipps suchst, wie du allgemein am besten Anatomie lernen kannst, schau mal bei diesem Beitrag vorbei: Anatomie lernen: Mit diesen Tipps klappt’s am besten.

Da ich selber Humanmedizin studiere, geht es hier vor allem darum, wie ich die menschliche Muskeln lerne. Aber das lässt sich natürlich auch super auf die Anatomie von Tieren anwenden!

Warum Muskeln lernen (zunächst) unmöglich erscheint

Das erste, was ich mich beim Bewegungsapparat gefragt habe: Wo zur Hölle fange ich denn bitte an? Ich sehe ich ein viel zu komplexes Skelett vor mir, mit allen möglichen Muskeln, Bändern etc. und noch mehr unhandliches Latein. Hilfe!

Und dazu kommt noch, dass es nicht nur reicht den Namen eines Muskels zu kennen, sondern immer auch Ansatz, Ursprung und Innervation mitgelernt werden sollen. Na toll, also noch mehr zu merken!

Daher erstmal vorweg: Ruhe bewahren. Aller Anfang ist schwer und das gilt vor allem für’s Anatomie lernen.
Doch je mehr du weißt, desto leichter wird es dir fallen, noch mehr dazuzulernen, denn mit der Zeit wirst du:

  • vertrauter mit der Terminologie sein
  • Strukturen besser in den Gesamtkontext einordnen und
  • Funktionen einfacher herleiten können.

Für den Anfang heißt es also erstmal Zähne zusammenbeißen und auf geht’s!

Wie lerne ich am besten Muskeln?

Na dann: Auf die Plätze, Anki, los! Und so habe ich versucht mir alle möglichen lateinischen Begriffe, die ich noch nie zuvor gehört habe, mir irgendwie in den Kopf zu hämmern.

Spoiler: Das war nicht die schlauste Idee und ich hätte mir sicherlich ne Menge Zeit sparen können, wenn ich mit ein bisschen mehr System an die Sache heran gegangen wäre.

Die Antwort auf die Frage ‚Wie lerne ich am besten Muskeln?‘ ist also: Mit Struktur!

Wie lerne ich Muskeln schnell?

Die Antwort auf die Frage ‚Wie lerne ich Muskeln schnell?‘ ist die gleiche wie auf die Frage ‚Wie lerne ich Muskeln am besten?‘: Struktur!

Mit der richtigen Struktur lässt sich nämlich

  1. einiges erschließen und du musst viel weniger einzeln auswendig lernen und
  2. im Kontext kann dein Gehirn die Informationen besser einordnen und sich somit auch besser merken.

Muskeln lernen mit der richtigen Struktur

1. Von innen nach außen lernen – Knochenpunkte

Bevor du mit dem Muskeln lernen selbst anfängst, solltest du dich zumindest Grundlegend mit dem Skelett und wichtigen Knochenpunkten auseinandersetzen.

Das hilft dir dabei, Gelerntes besser zu verorten.

Was bringt dir die Information, dass der M. suprascapularis seinen Ursprung an der Fossa supraspinata hat und am Tuberculum majus ansetzt, wenn du überhaupt keine Idee hast, wo sich diese beiden Punkte befinden?!

2. Funktionen herleiten

Ein Lernfehler, den viele beim Muskeln lernen begehen ist: Alles einzelnd auswendig lernen.
Dabei geht das viel einfacher, denn du kannst dir die Funktionen anhand von Ansatz und Ursprung herleiten:

  • Was passiert, wenn sich der Muskel verkürzt?
  • Was wird wo hingezogen?
  • In welchen Gelenken findet eine Bewegung statt?

3. In Logen lernen

Gerade an oberer und unterer Extremität kann es sehr helfen, in Logen zu lernen

Eine Loge…

  1. ist meist eine funktionelle Einheit.
    Die Muskeln in der Flexorenloge haben beispielsweise alle die Funktion: Flexion.
  2. hat häufig einen ähnlichen oder sogar gleichen Ursprung oder Ansatzpunkt.
    Die oberflächlichen Extensoren des Unterarms haben alle ihren Ursprung am Epicondylus lateralis.
  3. wird manchmal komplett vom selben Nerv innerviert.
    Die Flexoren des Oberarms werden durch den N. musculocutaneus innerviert.

4. Wiederholung

Wiederholung ist beim Lernen – und eben auch in der Anatomie – das A und O.

Ohne regelmäßige Wiederholung wird das nichts.

Mit jedem Uni-Tag kommen neue Muskeln hinzu, die du eigentlich lernen solltest. Die Muskeln, die du bereits gelernt hast, vergisst du nach einigen Tagen.
Der Berg an zu lernenden Muskeln wird immer größer und mit ihm auch dein Drang zur Prokrastination.

Nur durch regelmäßiges Wiederholen bekommst du die Muskeln langfrisitig in dein Gedächtnis.

Lernmethoden zum Muskeln lernen

Muskeln lernen Zeichnung

1. Visualisieren

Mein größtes Problem war es anfangs – abgesehen vom gigantischen Umfang des Lernstoffs und der fehlenden Struktur – dass ich bloß lose Begriffe im Kopf hatte, aber kein Bild von dem, was ich da tatsächlich lerne.

Und egal zu welchem Lerntypen du dich zählst: Das beste Hilfsmittel in dem Fall sind Bilder.

Sowohl schematische Abbildungen des isolierten Muskels, der gesamten Extremität und Fotos von KörperspenderInnen.

Visualisiere dir, welche Struktur du da gerade lernst, und auch, wie sich der Muskel zu anderen Strukturen verhält: Liegt er dadrüber, dadrunter, …

2. Karteikarten

Lernen mit Karteikarten hat viele Vorteile. Vor allem sind sie unkompliziert, haben keine hohen Anschaffungskosten und gelten als sehr effektiv – besonders dann, wenn sie in Kombination mit spaced Repetition angewendet werden.

Außerdem kannst du mit Karteikarten – vor allem wenn sie digital sind – super gut unterwegs lernen und damit Warte- oder Fahrtzeiten produktiv nutzen.

3. Gemeinsam lernen

Am Anfang noch hoch motiviert stürzt du dich in die Anatomie, beginnst mit den Knochenpunkten, erstellst fleißig Karteikarten und nach und nach lässt du das ganze dann doch irgendwie schleifen… Die Motivation lässt nach und die anfängliche Disziplin ist wie vom Erdboden verschluckt.

Eine Lerngruppe kann dir dabei helfen, dass genau das nicht passiert, sondern dass du am Ball bleibst.

Durch das Treffen mit anderen hast du eine Art soziale Kontrolle. Es ist viel einfacher, sich alleine vom Lernen zu drücken, als gemeinsam. Ihr profitiert also alle davon.

Außerdem kann eine Lerngruppe beim Muskeln lernen nochmal besonders hilfreich sein.
Du möchtest die Anatomie des Menschen lernen? Na dann such dir Menschen, an denen du diese nachvollziehen kannst: Anfassen, ertasten und evtl. auch anmalen oder mit post its beschriften. Mach deine FreundInnen zu deinem Lernmodell. Zugegeben: Nicht jeder lässt sich von jedem gerne betouchen, also such dir dafür die richtigen Leute.

4. Schnürsenkel Modell

Für das Schnürsenkel- Modell brauchst du zwei Dinge: Ein Skelett und Schnürsenkel oder irgendeine Art von Band oder Schnur.

Die Schnur ist der Muskel. Dein Ziel: Die Muskeln anatomisch korrekt an deinem Skelett aufspannen. Du befestigst also die Enden der Fäden jeweils an Ansatz und Ursprung, bis du ein vollständiges Skelett hast.

5. Muskeln lernen Spiel

Gerade wenn die Motivation zum Lernen mal nicht ganz so groß ist, kann es helfen, das Lernen etwas Spielerischer zu gestalten.

Auch Muskeln lernen geht als Spiel. Und zwar mit einer Art memory.

Ihr legt eure Karteikarten mit den Muskeln darauf, verdeckt vor euch auf den Boden. Einer zieht eine Karte. Wenn alles richtig benannt wird, darf derjenige die Karte behalten. Wenn nicht, kommt die Karte zurück auf den Boden. Wer am Ende die meisten Karten hat, gewinnt.

Materialien zum Anatomie/ Muskeln lernen

Die richtigen Materialen können einen großen Unterschied beim Lernen machen. Es geht bestimmt auch irgendwie ohne, aber warum solltest du dir das Ganze noch schwerer gestalten als es sowieso schon ist?!

Anatomie-Atlas

Beginnen wir mit den Basics: Ein Anatomie-Atlas. Ein Klassiker ist hierbei der Anatomie-Atlas von Prometheus*.

Lernkarten

Ein weiterer Klassiker (zurecht) sind die Lernkarten von Sobotta* oder Prometheus*. Sie sind eine super Ergänzung zum Atlas.

Du kannst dir mit den Lernkarten eine Menge Zeit beim Erstellen von Karteikarten sparen. Entweder lernst du mit den Karten direkt in ihrer analogen Form, oder du machst dir im Karteikartenprogramm Anki mit dem tool ‚image occlusion‚ digitale Karteikarten daraus.

Lernposter

Das schöne an einem Muskel-Lernposter* ist, dass du dadurch ganz nebenbei lernen kannst.

Du hängst das Lernposter beispielsweise in deinem Bad auf und jedes Mal, wenn du dir die Zähne putzt, wirfst du einen Blick darauf.

Das ist dann gar keine extra Lernzeit und du wiederholst die Muskeln trotzdem regelmäßig ganz automatisch.

Anatomisches Skelett zum Lernen

Ein anatomisches Skelett kann sehr hilfreich sein, um die Dreidimensionaltät der Muskeln richtig zu lernen und zu verstehen.

Du kannst dir natürlich ein eigenes Skelett kaufen, oder mal an deiner Uni schauen, ob dir dort welche zum Lernen zur Verfügung stehen.

Muskeln lernen Online (kostenlos)

Auch im Internet lässt sich so einiges finden, um Muskeln online zu lernen.

Zum einen bieten Amboss und insbesondere Kenhub eine Vielzahl an verständlichen, übersichtlich strukturieren Artikeln zu allen möglichen Themen der Anatomie. Der vollständige Zugriff ist allerdings kostenpflichtig, doch für den Anfang kommt man damit schon relativ weit.

Auch einige YouTube-Kanäle bieten gute Lernvideos zum Muskeln lernen. Hilfreich sind beispielsweise Ninja Nerd oder The Noted Anatomist. Aber es gibt natürlich noch viiiiiil mehr.

Programme zum Muskeln lernen

Um die Dreidimensionalität nachvollziehen zu können, braucht es nicht zwangsläufig ein ‚echtes‘ Skelett.

Es gibt auch digitale Programme, die du dafür nutzen kannst.

Ich habe dabei bisher nur Erfahrungen mit dem Programm Complete Anatomy gemacht. Das Programm bietet nicht nur einfache Skelett-Modelle, sondern du kannst dir deine Modelle in gewisser Weise so ausführlich anzeigen lassen, wie du möchtest. (Also mit verschieden vielen Muskelschichten, Nerven, Gefäßen etc.)

Dieses Programm ist auch hilfreich für die Vorbereitung auf den Präpkurs – allerdings ist Complete Anatomy kostenflichtig.

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Wie lernst du am besten Muskeln?
Teile diesen Beitrag gerne! 🙂

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