Lernen mit Karteikarten: So funktioniert’s in jedem Fach

Man könnte meinen, Karteikarten seien veraltet.
Klar, neu ist die Erfindung definitiv nicht. Aber nicht ohne Grund hat sich diese Methode so lange gehalten.
Lernen mit Karteikarten ist eine der effektivsten Lernmethoden überhaupt.

Was sind Karteikarten?

Da gibt es nicht so viel zu erklären, denn jeder, der schon mal in der Schule oder einem Schreibwarenladen war, kennt sie. Daher nur ganz kurz:

Die klassischen Karteikarten sind aus Pappe oder Papier.
Es gibt sie allerdings in verschiedenen Farben, Formaten, Lineaturen und Dicken.

Mittlerweile gibt es auch eine Vielzahl an digitalen Formaten, die aber nach dem gleichen Prinzip funktionieren.
Der Vorteil hierbei: Du sparst eine Menge Papier und auch den Platz, den alte Karteikarten-Kästen sonst in deinem Regal einnehmen würden.

Was kann ich mit Karteikarten lernen?

Karteikarten eignen sich für so ziemlich jeden Lernstoff, deshalb sind sie wohl auch so weit verbreitet.

Am besten eignen sie sich für:

  • Vokabeln
  • Formeln
  • Fakten
  • Definitionen von Fach- oder Fremdwörtern
  • Daten
  • Prüfungsfragen

Schwierig wird es, wenn du versuchst, komplexe Zusammenhänge mit Karteikarten zu lernen.
Das geht auch, indem du auf die eine Seite einen Lückentext schreibst, auf die andere Seite die Lösung, oder ein Schaubild, das auf der Vorderseite unvollständig, auf der Rückseite komplett ist.

Andere Lernmethoden wie die Feynman-Methode sind dafür allerdings besser geeignet.

Vorteile von Karteikarten

Aktives Lernen

Dein Ziel sollte es immer sein, aktiv zu lernen. Also lösungsorientiert dein Gehirn zu fordern und dich nicht nur von Inhalten berieseln zu lassen.

Lernen mit Karteikarten ist der Inbegriff von aktivem Lernen. Dein Gehirn ist auf der Suche nach der Lösung auf der Rückseite.

Dadurch werden auch tiefere Gehirnschichten aktiviert, du bist konzentrierter und merkst dir mehr.

Einfache Anwendung

Vorne eine Frage oder ein Begriff, hinten Antwort und Definition. Das kann jeder. Es gibt also keine Startschwierigkeiten wie bei anderen Lernmethoden, bei denen man eventuell erst das System/die Technik erlernen muss.

Fächerübergreifend

Karteikarten eignen sich für alles mögliche und sind daher nicht an ein bestimmtes Fach oder einen bestimmten Studiengang gebunden.

Verschiedene Schwierigkeitsstufen

Egal ob Master oder Grundschule: Da du deine Karten selber gestaltest, kannst du auch den Schwierigkeitsgrad und die Komplexität bestimmen.

Variabilität

Karteikarte ist nicht gleich Karteikarte.

Bilder, Formeln, Definitionen, Diagramme: Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie du deine Karten gestalten kannst. Entscheide dich für die, mit der du am besten Lernen kannst.

Lernen in zwei Richtungen

Wer sagt, dass man immer erst die Vorder- und dann die Rückseite anschauen soll?

Du kannst dich in beide Richtungen abfragen. Dadurch bist du gezwungen, auch um die Ecke bzw. in die andere Richtung zu denken.

Achtung: Das Lernen in zwei Richtungen funktioniert nicht für alle Fragenformate. Für Vokabeln ist ist es aber optimal.

Prüfungssimulation

Eine Frage und du suchst nach der Lösung. Genau wie in einer Klausur.

Nichts kann dich besser auf eine Prüfung vorbereiten als eine Prüfung selbst bzw. eine Situation, die dieser ähnelt.

Flexibilität

Anders als bei „normalen“ Prüfungssimulationen bist du nicht an einen Ort gebunden. Du kannst ganz bequem im Bus, oder in der Schlange vor der Kasse lernen.

Mit einer digitalen Karteikartenvariante auf deinem Handy bist du hierbei sehr viel flexibler, als wenn du immer einen Papierstapel mitschleppen musst.

Karteikarten erstellen – 6 Tipps

1. Kurze Sätze

Kürzen und paraphrasieren. Auf eine Karteikarte gehört nur das Wesentliche.

Wenn du Schwierigkeiten damit hast, verwende ganz kleine Karteikarten.
Dann bist du dazu gezwungen, dich kurz zu fassen und Unwichtiges wegzulassen.

Erstelle lieber drei Karten mit ganz wenig Inhalt, als eine mit viel. Das wird dir auch dabei helfen, dich zu motivieren. Wenn du für das Beantworten einer Karte drei Minuten brauchst, wirst du es eher vor dir her schieben, als wenn du die Antwort in wenigen Sekunden nennen kannst.

2. Schlüsselwörter

Viele Korrektoren achten bei Prüfungen auf bestimmte Schlüsselwörter.
Wenn diese in deinem Text vorkommen, bist du schon mal gut davor.

Schlüsselwörter gehören daher als allererstes auf deine Karten.

Welches sind die Schlüsselwörter? Worte, die in einer Vorlesung häufiger betont werden, ggf. auf Vorlesungsfolien dick gedruckt sind.

Bei Multiple-Choice Klausuren lassen sich die Schlüsselbegriffe ganz einfach herausfinden, indem du dir alte Klausurfragen anschaust.

3. Beschreibe die Karten beidseitig

Der Witz an Karteikarten ist, dass man sie umdrehen kann. Das solltest du auch ausnutzen. Dein Gehirn denkt angestrengter nach, wenn die Lösung auf der Rückseite steht, als wenn sie nur etwas weiter unten steht und du sie lediglich zudeckst.

4. Kontext beachten

Verliere nicht den Kontext deiner Karten aus den Augen.

Beispiel: Wenn du in Medizin eine Karte „Welche Risikofaktoren gibt es?“ anlegst, wäre es ganz hilfreich zu wissen, von welcher Krankheit hier die Rede ist.

Sortiere deine Karten daher nach Themen geordnet.

Um auf Nummer sicher zu gehen: Notiere oben in der Ecke, zu welchem Themenbereich die Karte gehört, oder benutze für jedes Thema eine Karte in einer anderen Farbe.

5. Farben

Nicht nur bei der Karte selbst kannst du dich für Farben entscheiden, sondern auch bei dem, was du aufschreibst.

Benutze beispielsweise verschiedene Farben, um Schlüsselwörter hervorzuheben.

Durch die Farben werden mehr Bereiche des Gehirn angesprochen. Somit fällt es dir leichter, dir die Inhalte zu merken und mit deinem bisherigen Wissen zu verknüpfen.

6. Platz lassen

Eine Karte wird nicht nur unübersichtlicher, je mehr du drauf schreibst, manchmal fällt dir auch im Nachhinein noch etwas Wichtiges ein.

Blöd, wenn dann kein Platz mehr zum Ergänzen ist.

Lernen mit Karteikarten

Wenn du dir nun deine Karten erstellt hast, stellt sich dir Frage, wie du sie am besten nutzt.
Du kannst natürlich einfach kreuz und quer die Karten durchgehen und so lange wiederholen, bis du sie kannst.

Das ist allerdings ziemlich aufwendig. Daher ist es schlauer, die Karten erst zu filtern.

Beim ersten Abfragen bildest du zwei Stapel: „Kann ich“ und „Kann ich nicht“.

Anschließend konzentrierst du dich nur auf den „Kann ich nicht“- Stapel. So arbeitest du gezielt an den Themen, die noch Verbesserungsbedarf haben.

Du kannst auch noch einen Schritt weitergehen und dir einen Karteikasten zulegen.

Jetzt arbeitest du nicht mehr mit Ja und Nein, sondern mit verschiedenen Stufen.
Dafür trennst du Kasten in mehrere Abschnitte. Wenn du eine Karte einmal richtig beantwortet hast, rückt sie ein Fach weiter nach hinten. Ist deine Antwort falsch, kommt sie wieder ganz nach vorne.

Jetzt arbeitest du so lange, bis alle Karten alle Stufen durchlaufen haben und ganz hinten angelangt sind. Das muss natürlich nicht alles an einem Tag passieren, sondern lässt sich super auf mehrere verteilen. Schließlich kannst du durch die Sortierung im Kasten immer genau sehen, wo du stehen geblieben bist.

Lernst du bereits mit Karteikarten?
Wenn dir dieser Beitrag weitergeholfen hat, teile ihn gerne 🙂

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