Erstes Mal Präparierkurs: Richtig vorbereiten und was dich erwartet

Am Präparierkurs, Präpkurs oder auch einfach nur Präppen kommt in den Studiengängen Human- oder Zahnmedizin wohl keiner vorbei.

Anatomie wird nämlich nicht nur theoretisch auswendig gelernt, sondern auch am realen Körperspender nachvollzogen. Das präparieren und Strukturen freilegen übernehmen dabei die Studentinnen selbst.

An einer Leiche herumzuschneiden ist für alle, die (noch) keine Pathologinnen sind eine Ausnahmesituation und verängstigt möglicherweise auch einige Studierende.

Egal, wie deine Gefühle gegenüber dem Präpkurs sind: Ein paar Tipps, wie du die ersten Studen im Präpsaal gut überstehst können nicht schaden.

Warum ist der Präparierkurs notwendig?

ÄrztInnen behandeln für gewöhnlich lebende PatientInnen. Und je mehr PatientInnen einem begegnen, desto deutlicher wird: Jede/-r ist ein Individuum für sich.

Bei der Anatomie ist das nicht anders.

Auch wenn es viele schöne Atlanten gib, die einem bis ins kleinste Detail die menschliche Anatomie abbilden: In der Realität sieht es doch noch mal anders auf.

Es beginnt bei der Körperstatur, dem Fettgewebe, der Hautdicke, aber auch Nervenbahnen und Gefäße unterscheiden sich von Körper zu Körper.

Der Präparierkurs ist eine einmalige Gelegenheit, genau diese anatomischen Variationen nachvollziehen und verstehen zu können.

Außerdem lernt sich die ganze Anatomie auch viel besser, wenn du nicht nur einen lateinischen Namen im Kopf hast, sondern auch ein Bild im Kopf, wie diese Struktur aussieht.

Und wer später ChirurgIn werden möchte, kann hier schon mal ein wenig das Handwerk erlernen. Vielleicht entdeckst du sogar während des Präpkurses deine Liebe zur Chirurgie…

Welche Materialen benötige ich für den Präparierkurs?

  • Kittel
    Ein weißer, sauberer Kittel. Und zwar nicht den, den du auch auf Station trägst, sondern einen separaten, nur fürs Präppen.
    Den lässt du aus Hygienegründen am besten in einem Spind und stopfst den nicht jedes Mal wieder in deinen Rucksack, denn so ein Kittel wird beim Präparieren auch mal dreckig.
  • Präpbesteck
    Du benötigst vor allem ein Skalpell, eine Pinzette und genügend Klingen. Alles was du brauchst kannst du auch als Präpset erwerben.
    Bei Skalpellen und Pinzetten gibt es einen Unterschied zwischen anatomischen und chirurgischen Saal. Frag da am besten mal deine DozentInnen, was du dir genau anschaffen sollst.
    Vielleicht kannst du dir dein Präpbesteck sogar von der Uni ausleihen?
  • Anatomieatlas
    Ein Atlas ist kein muss, ist aber sehr hilfreich um während des Präparierens zwischendurch nochmal nachzuschauen, auf welche Strukturen du besonders aufpassen solltest oder wie die Struktur, die du gerade freigelegt hast, heißt.

Wie bereite ich mich richtig auf den Präparierkurs vor?

Bei einer Vorlesung kannst du schon mal unvorbereitet erscheinen, im Präparierkurs muss zumindest eine minimale Vorbereitung stattfinden.

Es beginnt im Prinzip schon bei den Materialien, denn ohne Kittel und Skalpell wirst du nicht teilnehmen können.
Für die restliche Vorbereitung gilt: Je ausführlicher du dich vorbereitest, desto größer ist dein Lernerfolg. u

Klar kann es auch sein, dass du einfach Spaß daran hast, ein wenig handwerklich zu arbeiten, aber du kannst erst dann so richtig arbeiten, wenn du dich auch auf deinem Gebiet auskennst.

Wenn du nicht weißt, welche Strukturen du erwarten kannst, zerschneidest du möglicherweise wichtige Nerven oder Gefäße, die eigentlich spannend anzuschauen gewesen wären. Und vor allem können sich die anderen, die mit dir an der gleichen Leiche präparieren, die Struktur auch nicht mehr anschauen.

  1. Präpanleitung lesen
    Im besten Fall stellt deine Universität ein Skript bzw. eine Anleitung zur Verfügung, in der genau steht, wie im Präpkurs vorgegangen wird: Wie halte ich ein Skalpell? Zu welchem Termin wird welches Gebiet präpariert?
    Bei Google lassen sich auch Präparieranleitungen von anderen Unis finden. (Hier z.B. die von der Uni Göttingen.) Vielleicht findet sich ja auch dort etwas Hilfreiches.
  2. Anatomie lernen
    Wenn du weißt, welche Körperregion nächstes Mal dran ist, bereite dich auch auf die Anatomie in diesem Gebiet vor. Schau dir in einem Atlas die Strukturen an und versuche sie nachzuvollziehen. Welche Muskeln sind dort? Wie werden sie innerviert und versorgt? Aus welcher Perspektive wirst du beim Präppen darauf schauen?
  3. Begriffe nachschlagen
    Solltest du Begriffe entdecken, die bei dir ein großes Fragezeichen hervorrufen: Nachschlagen. Wenn du alleine nicht weiterkommst, schreib dir den Begriff auf und frag beim nächsten Mal im Präpariersaal nach.

Erstes Mal im Präpsaal – Emotionale Vorbereitung

Am Anfang ist die ganze Situation an sich schon eine Herausforderung.
„Wie werde ich auf die Leiche reagieren? Kann ich damit umgehen?“

Vielleicht hast du sogar auch ein wenig Angst vor dem ersten Präparierkurs und bist ratlos, was du tun sollst. Wie du genau reagierst ist natürlich nicht vorhersehbar. Du kannst allerdings auch hier durch die richtige Vorbereitung einiges bewirken.

  1. Bleib offen und rede dir nicht ein, dass das unglaublich schlimm wird. Mit ein wenig Respekt an die Sache heranzugehen ist bestimmt nicht verkehrst aber mach dich nicht schon verrückt, bevor du überhaupt da bist. Ganz entspannt bleiben und lass es auf dich zukommen.
  2. Frühstücke ausführlich, denn auf nüchternen Magen sind Situationen wie diese eine viel größere Herausforderung.
  3. Tiger Balsam enthält ätherische Öle, die helfen um mit dem speziellen Geruch im Präpsaal umzugehen. Die KörperspenderInnen sind mit Formalin fixiert und werden dadurch im Prinzip konserviert.
    Formalin hat einen sehr speziellen, stechenden Geruch, mit dem nicht jede(r) gut klar kommt. Ein bisschen Tiger Balsam unter der Nase hilft, den unangenehmen Geruch zu überdecken.
  4. Besorge dir einen Körperatlas. Also nicht nur einen ’normalen‘ Anatomieatlas, sondern einen, der Bilder von Leichen enthält. Ein Foto ist meist nicht ganz so angsteinflößend wie die Realität und wenn du dann tatsächlich vor der Leiche stehst, weißt du was dich erwartet und siehst das Ganze nicht zum ersten Mal
  5. Nutze Online Angebote. Mach dich auf die Suche nach Tutorien, Vorlesungen, E-books, Skripten etc., um dich einfach schon einmal mit der Thematik auseinanderzusetzen.
  6. Sag Bescheid, wenn es dir nicht gut geht! Wenn du merkst, wie dir im Präpariersaal langsam schwummrig und schwarz vor Augen wird, sag Bescheid und geh eventuell kurz vor die Tür und trink einen Schluck.
    Warte nicht erst bis zu tatsächlich umgekippt bist!
    Dir wird niemand böse sein und du bist definitiv nicht die/ der erste, dem es so geht.

Erstes Mal im Präpsaal – Wie läuft das ab?

Das erste mal im Präpariersaal ist für die meisten bis zu dem Zeitpunkt eine Ausnahmesituation. Einige sind vielleicht schon mal bei Praktika oder vorheriger Berufserfahrung mit Toten in Kontakt gekommen, die meisten haben aber noch nie eine Leiche gesehen.
Es ist also vollkommen verständlich, wenn dich diese Situation überfordert, oder dir Angst macht.

Um dir die Angst zu nehmen und dich ein bisschen darauf vorzubereiten, was du zu erwarten kannst, ein kleiner Einblick, wie das Ganze bei mir abgelaufen ist.

Beim Betreten des Präpariersaals sind die KörperspenderInnen erstmal noch abgedeckt, aber unter den Tüchern lassen sich trotzdem schon Umrisse erahnen: Die Nase, die Schultern, die auf dem Oberkörper liegenden Hände, die Statur im Allgemeinen.

Wir Studierenden werden so aufgeteilt, dass ein einem Tisch, also einer KörperspenderIn letztendlich ca. 8 StudentInnen und ein Tutor stehen. Eine DozentIn ist für zwei Tische zuständig.

TutorInnen sind Studierende (der Humanmedizin) aus höheren Semestern, die gemeinsam mit den Studierenden an einer zugeteilten Leiche präparieren. Nutze die Gelegenheit und frag nach, wenn du nicht mehr weiter weißt oder generell eine Frage hast.

Nach einer kurzen Einführung, wer die Körperspender sind (Alter, Krankheitsgeschichte, Todesursache) werden die KörperspenderInnen dann aufgedeckt.

Kurz Zeit, die Leiche zu betrachten, dann ging’s auch schon los. Zunächst musste die Leiche, die noch auf dem Rücken lag, auf den Bauch gelegt werden. die Präparation sollte am Rücken beginnen.

Auch wenn die Körperspender Menschen waren/sind, haben sie nicht mehr viel menschliches an sich: Der Körper hat etwas von einer Puppe, denn die Extremitäten sind steif und unbeweglich, die Haut ist blass grau/gelblich, relativ hart und kalt. Im allgemeinen sind die Körper ziemlich schwer und gar nicht so einfach umzudrehen.

Dann werden Regionen verteilt: Wir durften selbst aussuchen, anderen wurden feste Gebiete zugeteilt.

Und was auch abgeklärt wurde: Möchte überhaupt jeder Präparieren?! Fühlt sich jemand unwohl? Möchte jemand erstmal nur zuschauen? Oder mit einem kleinen Gebiet beginnen? Niemand wird zum Präparieren gezwungen!

Trau dich hier auch wirklich ehrlich zu sein, falls dir die Situation zu viel ist.
Nur weil alle anderen sofort loslegen wollen, kannst du auch ersteinmal zuschauen oder ganz langsam anfangen.
Sei ehrlich mit dir selbst und kommuniziere, wie es dir geht!

Und dann wurden auch schon die Klingen eingespannt und losgelegt!

Der richtige Umgang mit KörperspenderInnen

Für den Anfang, um die Berührungsängste zu überwinden, ist es hilfreich, sich nicht dauerhaft vor Augen zu halten, dass das ein Mensch ist, an dem du dort herumschneidest.

Vergiss aber nicht komplett, dass das ein Mensch mit Angehörigen ist und gehe dementsprechend auch respektvoll mit den KörperspenderInnen um.

Das heißt nicht, dass du die ganze Zeit ernst und andächtig sein musst. Im Präparierkurs wird auch Small-talk gehalten und gelacht. Sei dir lediglich bewusst, dass es ein Privileg ist, dass diese Person sich zur Verfügung gestellt hat, nur damit du jetzt diesen Präparierkurs machen kannst.

Daher ist deine Vorbereitung auch so wichtig. Die KörpersoenderInnen haben sich zur Verfügung gestellt, damit du etwas lernen kannst. Wenn du nun unvorbereitet in einem Kurs auftauchst und nichts aus dem Kurs mitnimmst, ist das nicht Sinn der Sache und nicht das, worauf die Körperspenderinnen sich eingelassen haben.

Aber auch wenn du doch mal einen Nerv übersehen solltest, zu tief und Fettgewebe schneidest und schon den Muskel mit anschneidest: Mach dir keinen Stress!
Nicht du und auch keiner deiner KomillitonInnen kann perfekt Präparieren. Ihr werdet wahrscheinlich alle irgendetwas falsch machen. Schließlich macht ihr das alle zum ersten Mal und es ist alles learning by Doing. Fehler gehören also auch irgendwie mit dazu.

Anatomie Lernmaterialien

Wenn du erstmal die Berührungsängste überwunden hast, wirst du feststellen: Das Anatomie lernen an sich ist nochmal eine riesige Herausforderung für sich, denn es ist unfassbar viel Lernstoff.

Daher hier eine Liste an Materialien, mit denen sich gut Anatomie lernen lässt.

Am beliebtesten sind (zurecht) die Materialien von Promptheus und Sobotta. Beide sind sehr gut und du findest auch in beiden alle Informationen, die du brauchst.

Die beiden unterscheiden sich vor allem in der Illustration – welche Bilder dir besser gefallen ist Geschmacksache.

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Wie war für dich das erste Mal im Präpsaal?

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