Anti-Produktivität – Wie du unbemerkt Zeit verschwendest

Anti-Produktivität

Technologie, Tools und Methoden sind eine super Sache. Sie erleichtern dir deinen Alltag und erhöhen deine Produktivität.
Du willst mit jemandem am anderen Ende der Stadt sprechen? Oder in einem anderen Land oder auf einem tausende Kilometer entfernten Kontinent? Kein Problem. Statt einer langen, zeitintensiven Reise ist dein Gesprächspartner nur einen Klick entfernt.
Was auf den ersten Blick so schön und einfach wirkt, kann auf den zweiten Blick allerdings schnell in Schein-Produktivität oder Anti-Produktivität umschwenken.

Anti-Produktivität: Der Schein trügt

Anti-produktive Technologie

Beispiel 1: E-Mails

Eine Sache, die aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken ist, sind E-Mails.

Klar ist es privat und unter Freunden nicht das Kommunikationsmittel erster Wahl. Ob du es willst oder nicht, bist du dennoch von E-Mails abhängig, wenn es zum Beispiel darum geht, Bewerbungen zu verschicken, Newsletter zu abonnieren oder wichtige Infos von der Uni zu erhalten.

Mittlerweile braucht jeder eine E-Mail-Adresse.

E-Mails sind schnell getippt und versendet. Das Beste ist, sie sind auch noch vollkommen kostenlos.

Im Vergleich zu einem altmodischen Brief schneiden sie definitiv besser ab, wenn es um Produktivität geht, oder? Ein Brief muss schließlich zunächst einmal per Hand geschrieben werden. Damit ist es aber längst nicht getan. Es folgt: Falten, verpacken, mit einer Briefmarke versehen und zum Briefkasten bringen.

Eine einzelne E-Mail ist also ohne Zweifel sehr viel einfacher und produktiver. Aber was kommt durch eine E-Mail noch alles auf dich zu? Schließlich bleibt es nicht beim einfachen Versenden.

Zum einen entsteht eine Informationsflut. Bei einem Brief überlegst du dir genau, was drin stehen soll. Es soll schließlich bei diesem einen Brief und einmaligem Porto bleiben.

Bei einer E-Mail sind du und diejenigen, die dir schreiben, sehr viel unüberlegter.
Schließlich ist in wenigen Minuten eine weitere E-Mail abgetippt und versendet.

Jede neu angelegte E-Mail Adresse bedeutet auch: ein Haufen an Spam und irrelevanten E-Mails.
Diese musst du aber trotzdem zumindest überfliegen.
Nur so kannst du herausfinden, ob sie relevante Informationen enthält.

Wie sieht es also aus, wenn wir die Zeit, die für den Konsum unnötiger Informationen draufgeht, mit in unsere Rechnung einbeziehen?

Dann verliert eine E-Mail ihren hohen Grad an Produktivität. Der Aufwand ist vergleichbar mit dem, einen Brief zu schreiben.

Beispiel 2: Digitalkameras

Digitalkameras schienen einmal eine super Lösung für mehr Produktivität zu sein. Kein Film bedeutet gleichzeitig auch: kein Gang zum Entwicklungslabor, keine misslungenen Fotos, die erst viel zu spät entdeckt werden.

Wie sieht die Realität aber wirklich aus?

Unmengen an Fotos, die du dir nie wieder anschauen wirst. Hundertmal das gleiche Motiv und keine Zeit, die unnötigen Fotos auszusortieren.

Ist das wirklich so viel besser? Nicht wirklich. Es ist anti-produktiv. Kein Wunder also, dass es in den letzen Jahren einen großen Trend zurück zu analoger Fotografie und Sofortbildkameras gab.

Anti-Produktivität im Uni-Alltag

Überleg mal, wie du in der Grundschule Referate gehalten hast. Ein paar Karteikarten mit Text und ein Plakat, das spätestens nach einer Stunde fertig zusammengeklebt und gestaltet war.

Und heute?

Natürlich sind die Themen, über die du mittlerweile Vorträge halten musst, sehr viel anspruchsvoller und ausführlicher. Aber das ist nicht der Punkt. Vielmehr ist es mittlerweile so etwas wie ein ungesprochenes Gesetz, zu jedem Vortrag eine PowerPoint Präsentation zu erstellen.

Auch das ist auf den ersten Blick absolut nicht schlimm. Die verschiedenen Tools, die PowerPoint bietet, ermöglichen es, anschauliche und verständliche Folien zu erstellen. Dadurch schaffst du es, deinen Vortrag zu visualisieren, und es benötigt keine Designerskills, um eine optisch ansprechende Präsentation zu kreieren.

Selbstverständlich gibt es aber auch hier ein großes Aber. Denn jeder, der sich schon einmal beim Erstellen einer solchen Präsentation Mühe gegeben hat, weiß: Es ist unglaublich zeitaufwendig.

Am Anfang musst du dich erst einmal komplett neu in die Software einarbeiten. Herausfinden, welches Icon welche Funktion aktiviert und wie du deine Ideen technisch so umsetzt, wie du es dir vorgestellt hast.

Und auch wenn du das System einmal durchschaut und verstanden hast, macht es das Erstellen nicht weniger zeitintensiv.

Jeder lustige Erscheinungseffekt und überraschende Folienübergang muss einzeln hinzugefügt werden. Das raubt Zeit und hat inhaltlich einen nur sehr geringen bis überhaupt keinen Mehrwert.

Als Fazit bis hierhin gilt also: So viele Gadgets und Apps wie nötig, aber so wenig wie möglich. Denn jede neu installierte App birgt nur weitere Zeitfresser, wie unnötige Arbeitsschritte und zu installierende Updates.

Das gilt aber nicht nur für technische Gadgets und Tools, sondern auch für Lernmethoden.

Anti-produktiv lernen: Lernmethoden als Zeitfresser

Lernmethoden zu kennen, die zu deinem Lerntyp passen, ist unfassbar wichtig, denn nur so schaffst du es, effektiv zu lernen.

Aber auch hier lässt es sich schnell übertreiben. Mitschreiben, Mind-Maps, Texte lesen, Zusammenfassungen, Karteikarten, Lerngruppen und so weiter sind alles effektive Lernmethoden.

Methoden wie diese anzuwenden, ist für deinen Studienerfolg essenziell.

Das heißt aber noch lange nicht, das du auch alle anwenden musst. Wenn du schon eine gute Methode gefunden hast, um Fakten auswendig zu lernen, warum dann noch eine zweite und dritte?

Das ist einfach nur unnötig und führt zu Anti-Produktivität.

Anstatt mehr und besser zu lernen, überforderst du dich. Du verbringst unfassbar viel Zeit mit dem Aufarbeiten von Lerninhalten, findest dann aber keine Zeit mehr, diese auch zu lernen. Und wenn doch, dann schaffst du nur die Hälfte von dem, was du schaffen müsstest.

Ist es das wert? Nein, definitiv nicht.

Anti-Produktivität entlarven

Wie erkenne ich denn, ob eine Methode oder eine App meine Produktivität oder meine Antiproduktivität steigert? Dazu solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Warum verwende ich diese Methode?
    Wenn du darauf keine Antwort findest, kannst du dir sicher sein, dass du sie nicht brauchst. Sie scheint keinen ernsthaften Nutzen für dich darzustellen. Also weg damit!
  • Doppelt sich die Funktion dieser Methode möglicherweise?
    Ganz einfach gesagt: Du hast schon eine Zusammenfassung in Papierform? Dann brauchst du nicht auch noch eine digitale in abgetippter Form. Eine Funktion braucht nur eine Methode.
    Wenn du merkst, dass du manche Arbeitsschritte doppelt machst, indem du verschiedene Methoden anwendest, überlege dir, welche die bessere ist. Diese behältst du dann bei. Die andere fliegt raus, denn sie stiehlt dir nur deine Zeit.
  • Brauche ich das wirklich?
    Immer minimalistisch denken: Nur das behalten, das dir einen Mehrwert bietet oder dich glücklicher macht.
    Natürlich ist es hilfreich, jede Veranstaltung, die du an der Uni besuchst, noch einmal zusammenzufassen. Bei den meisten ist das Erstellen von Zusammenfassungen allerdings ein ziemlich zeitaufwendiger Prozess. Trotzdem sorgt er nicht dafür, dass die Inhalte besser verstanden oder gelernt werden.
    Wenn das bei dir auch so ist, lohnt es sich vielleicht, auf diese Methode zu verzichten.
    Investiere deine Zeit stattdessen in nur einige wenige Methoden und Strategien. Diese suchst du so aus, dass sie dich auch wirklich weiterbringen und zu deinem Lernerfolg beitragen.

Fallen dir noch mehr Beispiele zu Anti-Produktivität im Alltag ein? Schreibe mir dazu gerne einen Kommentar.
Teile diesen Beitrag mit jemanden, für den er hilfreich sein könnte. 🙂

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